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Nothing’s changed.

  Und alles ist anders.

  Meine Haut ist heller. Meine Wangen eingefallener. Der Blick, der mich aus der beschlagenen Oberfläche heraus anstarrt, ist der einer anderen Person. Kein amüsiertes Glitzern ist mehr in ihren meergrünen Tiefen zu sehen, kein unterdrücktes Lächeln angesichts einer begangenen Dummheit. Keine Freude, kein Glück, kein Leid. Da ist – nichts. Ich werde von einem Zombie angestarrt. Einem Zombie mit sprödem, glanzlosem Haar und einer Haut wie Pergament.

  Der Zombie hebt seinen bleichen, astdünnen Arm, als ich den meinen hebe. Ich sehe seine Knochen überdeutlich durch die papierne Haut stoßen. Abscheu überkommt mich, bevor ich mir erneut einrede, dass das nicht ich bin. Ich – ich bin schön. Kräftiges, glänzendes Haar. Rote Wangen, strahlende Augen. Volle, einladende Lippen. Ein Körper zum Verlieben – nicht zu knochig, nicht zu gepolstert. All das ist mir von Gott gegeben, so viel ich auch esse, so wenig Sport ich auch treibe – nichts ändert sich an mir. Ich – bin perfekt. Papis kleine, perfekte Prinzessin.

  Schon immer.

  Für immer.

  Ich lächle gerade zufrieden, da tut das Wesen im Spiegel es mir gleich. Trockene, eingerissene Lippen spannen sich und reißen ein. Ein Tropfen Blut fließt sein Kinn hinab. Ich spürte ein Kitzeln an dem meinen, ignoriere es jedoch. Die Situation ist grotesk, und wir bekommen beide gleichzeitig eine Gänsehaut auf den nackten Armen.

  Ich atme tief durch. Streiche mir über die aufragenden Härchen und reibe meine Arme, um sie zu wärmen. Das Monster tut es mir gleich, und plötzlich weiß ich, was es ist. Weder ein Zombie noch ein anderes Wesen aus der Hölle. Keine Verhöhnung meines vielleicht verwirrten Geistes. Kein wahrgewordener Albtraum, kein Vergeltungsakt des Herrn ob meiner schwarzen, klebrigen Gedanken. Nein, die Antwort ist viel einfacher. Viel offensichtlicher: Es ist meine Seele.

  Meine Seele starrt mich aus diesem Spiegel heraus an. Verkommen und verdorben, gequält und gefoltert, nun freigelassen und einsam, allein und verwirrt in der Welt herumirrend, auf der Suche nach einem Anker, nach Halt, nach Gefühlen und nach Leben. Der Mangel an allem hat sie verrotten lassen, verderben und faulen wie ein altes Ei. Verbitterung, Hass, und doch keine Gefühle.

  Keine… Gefühle… No feelings, my dear… Give it up, my dear…

  Nur meine Seele.

  Nichts, wovor ich mich fürchten muss.

  Ich hebe meine Hand zum Kinn und betrachtete den Tropfen Blut, der daraufhin auf meinem Finger liegt und mich dunkelrot angrinst.

  Ich beginne zu schreien.

  Denn nothing’s changed.

  Alles ist gleich.

14.4.14 19:41

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